Journalismus vor dem aus – Ist Wissen Mangelware?

Screenshot -Presseclub 2020-01-19

Liebe ARD, fragt bitte unabhängige Fachleute und setzt für solche Sendungen Journalisten ein, die nicht mit Halbwissen bestückt, die Inhalte von PR-Meldungen der Energiekonzerne wiederkäuen. Wir haben Aufgabe, den Klimaschutz. Energiekonzerne haben ihn nicht gern, weil es dabei um ihre Existenz geht.

Eigentlich sollte man sich nie hinsetzen und sofort einen Kommentar schreiben, sondern die Sache erstmal sacken lassen. Ich verbiete mir das in diesem Fall, denn so viel hanebüchenes Zeug in einer so kurzen Sendung ist kaum auszuhalten. Liebe ARD, die ihr diese Sendung zu verantworten habt: Es ist für Bürger sehr schwer wirkliches Wissen anzusammeln. Das ist um so wichtiger, weil wir eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt haben, den Klimaschutz. Energiekonzerne mögen ihn nicht, weil es dabei um ihre Existenz geht. Und das ist tatsächlich das eigentliche Thema, wenn Ihr eine Sendung konzipiert und live ausstrahlt, mit dem Thema “Keine Kernkraft, keine Kohle: Woher kommt künftig unser Strom?”, dann braucht ihr Profis und keine Amateure.

Hier hatten wir am heutigen Sonntag, den 19.01.2020 eine Falschaussage oder Halbwahrheit nach der anderen. Und der Moderator und ARD-Programmdirektor Volker Herres gab dabei ein besonders schlechtes Bild für die ARD ab. Also Herr Herres, sie brauchen dringend Nachhilfe.

Mit dabei in der Sendung waren: Michael Bauchmüller (Süddeutsche Zeitung),  Antje Höning (Rheinische Post), Nora Miethke (Sächsische Zeitung), Klaus Stratmann, (Handelsblatt). Und auch die glänzten durch alles Mögliche, nicht aber durch gesichertes Wissen. Es gab kleine Unterschiede je nach Ausrichtung des jeweiligen Mutterhauses aber mit echtem Wissen über Zusammenhänge waren alle nicht gesegnet.

Ganz am Anfang der Sendung fällt schon auf, dass man sich nicht darum kümmert, ob die Unterschiede in der Stromerzeugung von Braunkohle- Steinkohle-, Gas- und Atomkraftwerken bekannt sind oder nicht, man argumentiert munter drauf los und will den Zuschauer anscheinend nicht mit diesen wichtigen Informationen verwirren. Oder will man sie ihnen sogar vorenthalten oder weiß sie schlichtweg selber nicht?

Auffällig ist man hat das Mantra gefressen, die Lichter gehen aus, weil die Erneuerbaren lange nicht so weit wären und das verbreitet man auch.  Und Volker Herres ist vorn dran, min. 15:48: Es geht ja um zig tausende Arbeitsplätze, es geht um Lebensgefühl… (er sagt das über die Arbeitsplätze in der Braunkohle).

Hallo Herr Herres, wie wäre es mal über die 80.000 bis 100.000 Arbeitsplätze zu reden, die in der Solarenergie verloren gingen? Ohne die einen nun gegen die anderen ausspielen zu wollen, muss mal festgestellt werden, dass es sich bei der Braunkohle um ca. 18.000 Arbeitsplätze handelt. Die Kohle ist an der CO2-Verursachung zu einem Drittel in Deutschland verantwortlich. Bei den zehn größten CO2-Verursachern sind allein acht deutsche Braunkohlekraftwerke dabei. Ach – und das ist jetzt zukunftsträchtig? Wenn die Kohle erst bis 2038 eingestellt wird, Herr Herres, dann erreichen wir die Pariser Klimaziele niemals, wissen sie das nicht?

Solarboom
Der Solarboom steht uns erst noch bevor.

Und nebenher, 12.000 der 18.000 Arbeitsplätze werden ohnehin aus Altersgründen in den nächsten 10 Jahren verrentet. Es bleiben also 6.000 Arbeitsplätze, um die es in Wirklichkeit geht. 6.000 in der Braunkohle und 80.000 Arbeitsplätze in der Solarenergie, das macht jetzt irgendwie keinen Sinn, zumal es sich bei Solarenergie um zukunftsträchtige Arbeitsplätze handelt.

Herr Herres, sie brauchen sicherlich Belege. Aber gern liefern wir Ihnen die. Die Anstalt vom ZDF hat darüber bereits im letzten Jahr berichtet. So wie es ausschaut sollen sie ja die Fachleute befragen, sagt die junge Generation. Weshalb machen sie das eigentlich nicht? Man hat zwar den Eindruck, sie würden auf Fachleute hören, nur wie unabhängig sind die eigentlich?

Klaus Stratmann vom Handelsblatt gibt da ein ähnliches Bild ab, wenn er sagt: Die Kohlekommission hat ja einige Vorstellungen entwickelt wie man den Strukturwandel in der Lausitz gestalten kann, um die Region zukunftsträchtig zu machen. Und er zählt teilweise ganz konkrete Projekte, Ideen, Vorschläge auf, wie zum Beispiel, das Thema Gesundheit, aber auch Energieforschung z.B. Wasserstoffforschung stark vorangebracht werden sollen. Wir hören hier aber nichts von Solar- oder Akkufabriken. Wir hören kaum etwas von dem großen Bereich Digitalisierung, der zur Energiewende, ebenso wie zur Mobilitätswende gehört. Wir hören Wasserstoff, und damit ist auch der Einsatz in der Mobilität gemeint, der aber kaum einen Masseneinsatz finden wird, zumindest nicht im Bereich PKW, wir berichteten darüber.

Fragen sie doch bitte die unabhängigen Fachleute und laden sie die zu einer Sendung ein. Journalismus muss sich, wenn es um die Energiewende und um den Klimaschutz geht, ganz gewaltig weiterbilden. Die täglichen PR-Meldungen haben Sie, liebe Journalisten, verbildet und eigentlich ist es verantwortungslos, das wir uns ständig Sendungen ansehen müssen, wo Sie Ihr Halbwissen immer und immer wieder an den Zuschauer bringen. Ich könnte jetzt noch zig Beispiele bringen, die Ihre Sendung, Herr Heeres, weder mittelmäßig noch schlecht erscheinen lässt, sie war unmöglich.

Es wird so getan, als wäre die Energiewende etwas was man noch nicht zu Ende gedacht hat. Wenn hier weiterhin diese Mär verbreitet wird, es wäre schwer eine stabile Stromversorgung in einem Hochindustrieland wie Deutschland zu gewährleisten, dann muss nicht an der Energiewende, sondern am Journalismus etwas geändert werden. Die Lösungen sind ja da und mengenweise gesicherte Studien dazu, hier, hier und hier um nur einige zu nennen.

Volker Quaschning: Wir haben heute Lösungen mit der wir in 15 Jahren klimaneutral werden können. Und diese Lösungen sind auch bezahlbar. Dann lasst uns doch einfach anfangen…

Sonnige Grüße

Ihr Klaus Müller

 

Klaus Müller
Über Klaus Müller 27 Artikel
Blogger in Sachen Klimaschutz & Energiewende