Bürgerinitiativen gegen Windkraft in Deutschland

Eine Studie des Rechercheteams „Europäische-Energiewende-Community“

verschiedene Internetseiten gegen Windkraft

Zusammenfassung

Deutschland hat ein Problem mit der Windkraft an Land. Zumindest wenn man den Aussagen der regierenden Politiker und den einschlägigen Seiten vernunftkraft.de und windwahn.de folgt. Aber ist das tatsächlich so? In dieser Studie kommen wir zu dem Ergebnis, dass es anstatt über 1000 tatsächlich nur 290 aktive Bürgerinitiativen gegen Windkraft gibt, und sehr viele Mehrfacheinträge und inaktive oder nicht mehr erreichbare Einträge auf den genannten Seiten eine größere Aktivität gegen Windkraft vortäuschen. Tatsächlich stellen sich in Deutschland je nach Schätzung zwischen 121.000 und 342.000 Menschen gegen Windkraft an Land – im Vergleich zu den 1,4 Millionen Demonstranten für mehr Klimaschutz am 20.9.2019.

Aber selbst die Bürgerinitiativen gegen Windkraft sind nicht mehrheitlich gegen die Energiewende – die meisten haben nur ein Problem mit tatsächlichen oder befürchteten persönlichen Nachteilen durch Windenergie in ihrer Nachbarschaft bzw. Befürchtungen um Vögel, Fledermäuse und Wald. Viele unterstützen den dezentralen Ansatz der Energiewende, vor allem Solaranlagen, Wasserkraft und Speichertechnologien und lehnen fossile Energien und Atomkraft ab – bis auf einen verhältnismäßig kleinen Kern von Personen, die auch den anthropogenen Klimawandel nicht akzeptieren.

Motivation 

Als Beleg für den Widerstand in der Bevölkerung gegen die Windenergie werden die Internetseiten der Bundesinitiative Vernunftkraft und Windwahn genannt, die auf klickbaren Karten nach eigener Aussage über 1000 Bürgerinitiativen gegen Windkraft verzeichnen. Interessanterweise landet man aber beim Klicken auf einzelne Einträge der Karten oft wieder nur auf Vernunftkraft oder es sind überhaupt keine Kontaktinformationen angegeben. Wir wollen daher die Daten, die diesen Karten zugrunde liegen, einer weitergehenden Prüfung unterziehen. Gibt es die jeweilige Initiative tatsächlich? Gibt es doppelte Einträge auf den Karten? Wie aktiv sind die jeweiligen Initiativen bzw. wann war die Initiative aktiv? Wie viele Mitglieder bzw. Unterstützer hat die Initiative? Ultimativ: Wie breit ist der Widerstand gegen Windkraft in Deutschland tatsächlich?

Methodik

Die den Daten zugrunde liegenden Daten sind nicht in Listenform verfügbar, dies wird aber für eine sinnvolle Analyse benötigt. Wir haben daher die Quelldaten im HTML-Format (Vernunftkraft) bzw. als XML (Windwahn) heruntergeladen und als Listen aufbereitet und harmonisiert.

Auffällig war, dass

  • Für Einträge von Vernunftkraft keine Geo-Koordinaten zur Verfügung stehen
  • Für viele Einträge keinerlei Kontaktinformationen zur Verfügung stehen
  • Viele Einträge auf sogenannte „Sammelseiten“ verweisen, d.h. überregionale Seiten, welche Listen mit Bürgerinitiativen führen – dies ist gleichbedeutend mit „keinerlei Kontaktinformationen“, da die Verweise nicht individuell für die jeweilige Initiative sind
  • Oft nur eMail-Adressen angegeben sind, auch diese oft nicht individuell sondern nur zentrale Adressen
  • Viele Einträge doppelt vorhanden sind – insbesondere wie zu erwarten ist, zwischen Vernunftkraft und Windwahn, oft aber auch innerhalb derselben Karte

Wir gingen daher in drei Schritten vor:

  1. Analyse der angegebenen Internetseiten.
  2. Analyse der angegebenen eMail-Adressen, sofern keine Internetseite angegeben ist
  3. Ermitteln der Orte aus den angegebenen Geo-Koordinaten und Google-Suche nach Informationen über Windkraft am entsprechenden Ort, sofern weder Internetseite noch eMail angegeben sind

Ziel war es, sämtliche Einträge auf den Karten von Vernunftkraft und Windwahn zu klassifizieren. Gemäß der obigen Einteilung erhielten alle Einträge der ersten Gruppe das Label Website, alle der zweiten Gruppe das Label eMail und alle übrigen das Label Ohne Website & eMail.

Weitere Details zur Methodik finden Sie in der Vollversion der Studie.

Ergebnisse

Anzahl Initiativen

Auf Vernunftkraft sind 540 Einträge verzeichnet, diese gehören zu 441 verschiedenen Initiativen, somit sind 99 Einträge redundant – dies entspricht 18% der Einträge.

Auf Windwahn gab es zum Zeitpunkt der Untersuchung 1133 Einträge zu 855 verschiedenen Initiativen, somit sind 278 Einträge redundant – ein Prozentsatz von fast 25%.

Die erfassten Initiativen von Vernunftkraft und Windwahn überlappten sich stark, aber nicht vollständig: Die zusammengenommen 1674 Einträge konnten wir 974 unterschiedlichen Initiativen zuordnen. Man könnte zum Schluss kommen, dass es in Deutschland somit tatsächlich fast 1000 Bürgerinitiativen gegen Windkraft gibt, aber dem ist nicht so, denn es fehlt in dieser Betrachtung die Klassifikation der Initiativen. 

Innerhalb der drei Grobklassifikationen:

  • Website
  • eMail
  • ohne Website & eMail

haben wir weiter nach Erreichbarkeit und Aktivität differenziert, sowie ob die Initiative erfolgreich den Bau von Windkraftanlagen verhindert hat (nach eigener Aussage oder Presseberichten).

Sofern einer Initiative mehrere Einträge zuzuordnen sind, haben wir alle Einträge bis auf einen als Doubletten klassifiziert, und für jede Gruppe den jeweils „besten“ Eintrag nach folgender Logik ausgewählt:

Aktiv vor Inaktiv; Erfolgreich vor Nicht Erfolgreich; Website vor eMail vor ohne Website & eMail

Innerhalb der Doubletten haben wir pro unterschiedlicher Postleitzahl eine der Doubletten als Ortsgruppe klassifiziert.

Insgesamt ergeben sich somit folgende Klassen:

Klassifikationsschema der Einträge auf Vernunftkraft und Windwahn
Klassifikationsschema der Einträge auf Vernunftkraft und Windwahn

Insgesamt ergaben sich folgende Kardinalitäten:

GruppeKlasseAnzahl
UngültigDoublette646
UngültigDoublette (Ortsgruppe)60
Ungültigohne Website & eMail: Existenz unklar74
UngültigeMail: Ungültig28
UngültigWebsite: Keine Windkraftgegner12
UngültigWebsite: Sammelseite16
Inaktivohne Website & eMail: Inaktiv, nicht erfolgreich117
Inaktivohne Website & eMail: Inaktiv, erfolgreich27
InaktiveMail: Gültig133
InaktivWebsite: Inaktiv, offline, Nicht erfolgreich102
InaktivWebsite: Inaktiv, offline, Erfolgreich11
InaktivWebsite: Inaktiv, Nicht erfolgreich129
InaktivWebsite: Inaktiv, Erfolgreich29
AktiveMail: Aktiv28
Aktivohne Website & eMail: Aktiv11
Aktivohne Website & eMail: Aktiv, erfolgreich4
AktivWebsite: Aktiv224
AktivWebsite: Aktiv, Erfolgreich23

Die einzelnen Gruppen addiert:

Ungültig836
Inaktiv548
Aktiv290
Klassifikation der Initiativen gegen Windkraft als Kuchendiagramm
Klassifikation der Initiativen gegen Windkraft als Kuchendiagramm
Klassifikation der Initiativen gegen Windkraft als Tree Map
Klassifikation der Initiativen gegen Windkraft als Tree Map

Zusammenfassend kann man sagen, dass weniger als ein Drittel der proklamierten 1000 Bürgerinitiativen gegen Windkraft in Deutschland tatsächlich aktiv sind. Mehr als die Hälfte sind nicht mehr aktiv, und den Rest gibt es schlicht überhaupt nicht.

In den obigen Abbildungen sind jene Klassen farblich besonders hervorgehoben, die erfolgreich den Bau von (weiteren) Windkraftanlagen oder Flächennutzungsplänen verhindert haben. Diese stellen jeweils nur geringen einen Teil der jeweiligen Gruppe dar, daher ist ein eventuelles Argument, dass die inaktiven Initiativen ihre Aktivitäten nach Erreichen ihres Ziels eingestellt haben, nicht gültig.

Außerdem ist auffällig, dass fast exakt die Hälfte aller Einträge ungültig sind im Sinne einer Auflistung von Bürgerinitiativen gegen Windkraft. Die Karten von Vernunftkraft und Windwahn sind somit extrem aufgebläht, und bilden nicht die tatsächliche Situation in Deutschland ab. Eine Karte, die unsere Ergebnisse abbildet, findet sich hier.

Verlauf

Angesichts der großen Zahl an Initiativen, die innerhalb der letzten fünf Quartale nicht mehr aktiv waren, stellt sich die Frage, wann im zeitlichen Verlauf wie viele Initiativen aktiv waren. Wir konnten Beginn und Ende der Aktivität vieler Initiativen aus den entsprechenden Webseiten ermitteln, und haben zusätzlich die Daten der Zeitungsartikel von Initiativen ohne Website & eMail ausgewertet. Da diese Informationen aber nicht für alle Initiativen vorliegen, bildet die geringere Gesamtzahl in der folgenden Auswertung nicht alle Initiativen ab. Außerdem ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass während manche Initiativen ihre Aktivitäten begannen, andere bereits ihre Aktivitäten schon wieder eingestellt hatten. Die Auswertung zeigt daher die Anzahl Initiativen, die zu jedem Zeitpunkt gleichzeitig aktiv waren.

Aktivitätsverlauf der Initiativen zwischen 2000 und 2020, soweit Daten vorliegen
Aktivitätsverlauf der Initiativen zwischen 2000 und 2020, soweit Daten vorliegen (aktualisiert am 5.2.2021)

Die Auswertung zeigt, dass die Anzahl aktiver Initiativen bis Ende 2013 exponentiell anstieg, dann flacher weiter wuchs bis zu ihrem Höhepunkt Ende 2015, auf dem sie bis Ende 2017 verharrte. Seit 2018 sank die Zahl der aktiven Initiativen wieder, und bis Ende 2019 stellte fast die Hälfte der Initiativen ihre Aktivität ein. Trotzdem betrachten wir wie bereits geschildert auch alle Initiativen als aktiv, die noch in den Quartalen 2, 3 und 4 in 2019 aktiv waren. In 2020 sanken die Zahlen mit der gleichen Geschwindigkeit weiter, wir haben die obige Grafik Anfang Februar 2021 aktualisiert und bis Ende Mai 2020 erweitert.

Man kann festhalten, dass die Initiativen gegen Windkraft ihren Zenit mittlerweile deutlich überschritten haben. Woran liegt das? Zwei Ursachen sind denkbar:

  1. Die Forderungen der Windkraft-Gegner wurden erfüllt
  2. Die Bevölkerung entwickelte ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Windkraftanlagen

In der Grafik sind die entsprechenden Daten eingetragen:

  • Am 15.9.2013 war die letzte Aktualisierung des Volksbegehrens gegen Windkraft, gleichzeitig stieg die Anzahl aktiver Bürgerinitiativen weiter.
  • Die Verabschiedung der 10H-Regel in Bayern erfolgte am 17.11.2014. Trotzdem stieg die Anzahl der Initiativen gegen Windkraft noch ein Jahr lang weiter, und blieb dann zwei Jahre lang auf ihrem maximalen Niveau. Offensichtlich hatte die Regel keinen sonderlich befriedenden Effekt, wenn überhaupt dann mit deutlicher Verzögerung.
  • Am 1.Mai 2017 wurde die finanzielle Förderung von Windkraftanlagen auf ein Ausschreibungsverfahren umgestellt. Zuvor wurden nochmal massiv Anlagen gebaut, da die Umstellung angekündigt worden war. Ab 2018 sank die Errichtung neuer Anlagen aufgrund der Ausschreibungsregelung massiv. Gleichzeitig begann die Zahl aktiver Bürgerinitiativen zu sinken. Dies ist insofern logisch, als dass weniger Bauvorhaben auch zu weniger Protesten dagegen führen. Ob diese Regelung auf Druck der Bürgerinitiativen eingeführt wurde, wäre noch zu untersuchen, die zeitliche Korrelation suggeriert diesen Schluss zumindest.

Die FfF-Bewegung begann Anfang 2019 und erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem Globalen Klimastreik am 20.10.2019 mit 1,4 Millionen Teilnehmern. Obwohl der Niedergang der Gegenwindbewegung bereits 2018 begonnen hatte, setzte er sich 2019 immer schneller fort. Man kann schlussfolgern, dass es bei der breiten Öffentlichkeit einen Bewusstseinswandel gegeben hat, der Windkraftanlagen nicht mehr in erster Linie als Bedrohung, sondern als Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel betrachtet. Gleichzeitig erreichte aber auch der Ausbau der Windenergie seinen bisherigen Tiefpunkt, was weniger Anlass zu Protesten gegen neue Anlagen gab.

Anzahl Unterstützer

Vereinfacht gesagt, haben wir für die Ermittlung der Anzahl Unterstützer einer Bürgerinitiative die jeweils größte greifbare Zahl notiert; Details finden Sie in der Vollversion der Studie. Dabei fiel auf, dass die Anzahl bei Unterschriftensammlungen stets deutlich höher als jede andere ermittelte Zahl war. Die Anzahl von Unterstützern variiert hierbei stark zwischen den Initiativen. In der folgenden Grafik ist die Anzahl von Initiativen aufgetragen, die jeweils eine bestimmte Anzahl an Unterstützern haben.

Anzahl von Initiativen mit einer bestimmten Anzahl von Unterstützern
Anzahl von Initiativen mit einer bestimmten Anzahl von Unterstützern

Die meisten Initiativen haben zwischen 200 und 500 Unterstützern, diese Kategorie umfasst über 20% der Initiativen für die Daten vorliegen. Größere gibt es seltener (zusammen ebenfalls 20%), und sehr große Initiativen mit über 5000 Unterstützern gibt es nur drei.

Hinzu kommen zwei überregionale Initiativen, nämlich Vernunftkraft selbst mit 8689 Unterstützern sowie der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern mit 9000 Unterstützern.

Die meisten Initiativen haben unter 200 Unterstützern, insgesamt knapp 58% der Initiativen.

Der Median beträgt 131 Unterstützer pro Initiative.

Die überregionalen Initiativen weggelassen, haben sich seit 2000 insgesamt 185.890 Menschen in Bürgerinitiativen gegen die Windkraft ausgesprochen. Nimmt man für die 496 Initiativen, für die wir keine Größe ermitteln konnten, den Median als Anzahl Unterstützer an, so kommen nochmals 64.976 Menschen hinzu, insgesamt also 251.157 Menschen.

Zu noch aktiven Initiativen gehören hiervon 111.898 Menschen, zuzüglich 74 aktive Initiativen ohne Größenangabe mit angenommenen 9.694 Unterstützern (Anzahl Initiativen multipliziert mit dem Median), insgesamt 121.592 Menschen. 

Mitte 2013, also mitten in der Wachstumsphase der Gegenwindbewegung gab es ein Volksbegehren gegen Windkraft, hierbei wurden 341.707 Unterschriften gezählt. Rechnet man dies großzügig hoch und verdoppelt die Zahl (zu diesem Zeitpunkt gab es ungefähr halb so viele Initiativen wie während des Maximums), ergeben sich insgesamt 683.414 Menschen, die möglicherweise irgendwann die Windkraft abgelehnt haben könnten.

Setzt man dies in Relation mit den Teilnehmern an den Fridays for Future Protesten (dieser Vergleich ist zulässig, da die Proteste innerhalb des Zeitraums stattfanden, den wir als aktiv klassifiziert hatten), so ergibt sich folgendes Bild:

Vergleich der Unterstützer gegen Windkraft aus unserer Untersuchung, dem Volksbegehren gegen Windkraft und den Fridays for Future Protesten
Vergleich der Unterstützer gegen Windkraft aus unserer Untersuchung, dem Volksbegehren gegen Windkraft und den Fridays for Future Protesten

Selbst bei einer äußerst großzügigen Abschätzung waren jemals insgesamt höchstens halb so viele Menschen gegen Windkraft eingestellt, wie Menschen öffentlich für mehr Klimaschutz protestiert haben. Aktuell ist das Verhältnis zwischen aktiven Windkraftgegnern und Befürwortern 1:11. Umso unverständlicher ist es, dass sich die Politik so schwertut damit, Windkraft weiter auszubauen.

Argumente gegen Windkraft

Als Teil unserer Analyse haben wir auch sämtliche Argumente gegen Windenergie zusammengetragen, die von den Bürgerinitiativen genannt wurden. Diese haben wir in folgende Gruppen sortiert:

  • Naturschutz: Auswirkungen auf Flora und Fauna
  • Immissionen: Auswirkungen auf Menschen
  • Optik: Auswirkungen auf das Landschaftsbild
  • Sinnhaftigkeit: Auswirkungen auf öffentliche Haushalte
  • Finanzen: Auswirkungen auf privates Eigentum
  • Organisation: Mangelnde Beteiligung von Bürgern und Kommunen
  • Alternativen: Fehlende Förderung von alternativen Energieträgern

Wir haben versucht, die Häufigkeit der jeweiligen Argumente zu erfassen, um so zu erfahren, welche Argumente besonders wichtig sind. Die Ergebnisse dessen finden Sie in der Vollversion der Studie. Um verlässlichere Zahlen als die reine Zählung der Nennungen zu erhalten, haben wir außerdem eine Umfrage konzipiert, die alle oben aufgelisteten Argumente gruppiert nach den Argumentgruppen enthielt, und die Befragten aufforderte, die Argumente pro Gruppe nach ihrer Wichtigkeit zu sortieren. In einer den Argumenten vorangestellten Frage wurden verschiedenen Optionen zur Energieversorgung aufgelistet, ebenfalls mit der Bitte, diese nach Vorliebe zu sortieren. Zusätzlich haben wir drei Fragen zum Thema Klimawandel gestellt, um eine Korrelation der Antworten mit der Akzeptanz oder Ablehnung des anthropogenen Klimawandels herzustellen. Diese Fragen waren mit Ja/Nein zu beantworten.

Wir schrieben 226 Bürgerinitiativen an und baten um die Beantwortung des Fragebogens. Wir erhielten 33 Antworten, diese waren überwiegend sehr freundlich und hilfsbereit, teilweise aber auch kritisch und misstrauisch, vereinzelt ablehnend bis hin zu verschwörungstheoretisch. 

Verschwörungstheoretische Antwort zur Befragung
Verschwörungstheoretische Antwort zur Befragung

29 der Antworten erklärten ihre Bereitschaft, den Fragebogen zu bearbeiten. Von diesen erhielten wir 14 ausgefüllte Fragebögen zurück. Im Verhältnis mit den zuvor ermittelten 290 aktiven Initiativen ist dies eine Rate von knapp 5%. Inwiefern dies statistisch signifikant für die Gesamtheit der Bürgerinitiativen ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. 

Klimawandel und Energieträger

Die Antworten zu den Fragen nach dem Klimawandel waren gleichverteilt, was uns in die glückliche Lage versetzte, die Ablehnung bzw. Zustimmung in Relation mit den übrigen Antworten zu setzen.

Antworten zu Fragen nach dem Klimawandel
Antworten zu Fragen nach dem Klimawandel

Es ergab sich in der Tat eine deutliche Korrelation zwischen der Leugnung des Klimawandels und der Präferenz für Kohle- und Atomkraftwerke sowie der Ablehnung von erneuerbaren Energien (in folgender Grafik rot umrandet) bzw. der Akzeptanz des Klimawandels, verbunden mit der Ablehungen von Kohle und Atom und dem Wunsch nach erneuerbaren Energien (violett umrandet). Wir nennen die erste Gruppe im folgenden “Fundamentalisten”, die zweite “Betroffene”. 

Korrelationen zwischen der Zustimmung zu bestimmten Energieoptionen und dem Klimawandel
Korrelationen zwischen der Zustimmung und Ablehung zu bestimmten Energieoptionen und dem Klimawandel: “Fundamentalisten” rot markiert, “Betroffene” violett.

Problemgruppen

Auch die Antworten auf die Wichtigkeit der einzelnen Problemfelder der Windkraft haben wir die Korrelationen untereinander und mit der Zustimmung zu Kohle und Atomenergie berechnet. Man erkennt, dass Menschen, die Organisationsprobleme wichtig finden, auch gleichzeitig Bedenken wegen angeblicher Immissionen haben, dafür aber die Sinnhaftigkeit der Energiewende nicht in Frage stellen und Fossile und Atomenergie eher ablehnen. Dies ist wieder die Gruppe der “Betroffenen” (violett). Umgekehrt besteht eine Korrelation zwischen der Zustimmung von fossilen und atomaren Energien und der Infragestellung der Sinnhaftigkeit der erneuerbaren Energien, gleichzeitig betrachtet diese Gruppe Organisations- und Immissionsprobleme als weniger wichtig, dafür stört sie sich eher an der Optik der Anlagen und hat Bedenken wegen des Naturschutzes. Hier finden wir wieder die “Fundamentalisten” wieder.

Korrelation zwischen den verschieden Problemfeldern und der Zustimmung zu fossilen und atomaren Energieoptionen
Korrelation zwischen den verschieden Problemfeldern und der Zustimmung zu fossilen und atomaren Energieoptionen

Bei der Sortierung der Problemfelder nach Wichtigkeit ergab sich insgesamt folgendes Bild:

Relevanz der Problemfelder
Relevanz der Problemfelder

Aus diesen Ergebnissen kann man schließen, dass die Mehrheit der Befragten die Energiewende an sich nicht in Frage stellt, dass also die “Fundamentalisten” die Minderheit darstellen, obwohl sie in den (sozialen) Medien am lautesten sind.

Weitere detaillierte Ergebnisse der Befragung finden Sie in der Vollversion der Studie.

Die Liste aller Aspekte sortiert nach ihrer Wichtigkeit für die Befragten sieht so aus:

Relevanz aller Aspekte gegen Windenergie an Land
Relevanz aller Aspekte gegen Windenergie an Land

Die wichtigsten Aspekte sind hörbarer und unhörbarer Lärm – hier besteht offenbar dringender Informationsbedarf. Danach folgt ein großer Block zum Naturschutz, was offenbart, dass vielen Menschen die konkreten, lokalen Auswirkungen von Windenergieanlagen sehr wichtig sind, sie sich die eher abstrakten Vorteile einer CO2-freien Energieerzeugung aber nicht vorstellen können.

Wir haben zu allen diesen Problemfeldern (und noch einigen anderen, die nachträglich hinzukamen) ausführlich recherchiert und jeweils in einem eigenen Artikel veröffentlicht. Sie finden die vollständige Liste hier.