Es kann nur Einen geben

Die Erde hat Fieber!

Die Bundesregierung und die EU verabschiedeten umfangreiche Wasserstoffstrategien. Soweit die guten Nachrichten. Umfangreich bedeutet aber nicht klimaschutzwirksam.
Für die deutsche Wasserstoffversorgung trifft die Bezeichnung „Strategie zur Umsatzgenerierung in einigen Jahren“ für Thyssen, Salzgitter AG und RWE eher zu.

Bunter Wasserstoff

Irgendwann sollen 5 GW bunter RWE-Wasserstoff in den Konzernen für Prozesswärme sorgen. Der Weg dahin ist mehr Wunsch als konkrete Auflistung der notwendigen Maßnahmen, inklusive eines Masterplans mit Ausbauraten und CO2-Minderungspotentialen – pro Sektor und Jahr!
Auf der Bundespressekonferenz zur Vorstellung des Wasserstoffsubventionskonzepts konnte der Vertreter vom Wirtschaftsministerium nicht darlegen, ob und wie viel grüner Wasserstoff zu welchem Zeitpunkt zur Verfügung steht.
Zu Beginn der EU-Ratspräsidentschaft leistete sich Minister Altmaier eine unverzeihliche Peinlichkeit. Er sagte im EU-Parlament sinngemäß übersetzt: “Im Rahmen des Green Deals brauchen wir mehr Gas aus der Sowjetunion”.[1]
Spätestens jetzt sollte klar sein, dass Wirtschaftsminister Altmaier die Geschäftsinteressen der Industrie vertritt und ihm die Zerstörung der Existenzgrundlagen für nachfolgende Generationen völlig egal ist.
Auch in den Bereichen Landwirtschaft, Mobilität und dem jetzt verabschiedeten Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) fehlt der Bundesregierung eine vernünftige und nachvollziehbare CO2-Reduzierungsstrategie.
Die EU will für eine Überbrückungszeit Wasserstoff aus Erdgas herstellen.
Wie lange soll die Übergangszeit sein? Wie hoch sind die Förderquoten für die Produktion von grünem Wasserstoff pro Jahr? Wann werden die CO2-Reduktionszahlen wie erreicht oder schlimmer: wann ist das CO2-Budget ausgeschöpft und die ca. 450 Millionen Europäischer Bewohner/innen müssen dadurch einen europaweiten Klimashutdown ertragen?
Die wissenschaftlich abgesicherte Leitplanke liegt darin, dass die Weltwirtschaft in der nächsten Dekade, spätestens bis 2035, komplett auf erneuerbare Energien umgestellt sein muss.[2] Für Deutschland bedeutet dies: jedes Jahr eine wirksame Effizienzstrategie und einen Zubau von mindestens 15 GW Solarstrom und 11 GW Windstrom.
Wie sehen denn die konkreten Ausbauraten nicht fossiler Energieproduktion für Strom, Wärme und Mobilität der EU aus? Wann werden welche Effizienzpotentiale durch welche Maßnahmen erreicht? Welche Meilensteine liegen vor?
Greta Thunberg bewertete das Anfang 2020 vorliegende EU-Klimaschutzgesetz: “Dieses Gesetz stellt eine Kapitulation dar. Sie geben die Klimaschutzziele von Paris und die Absicht, die Welt zu retten, auf”.[3]. Die Abgeordneten spendeten im überfülltem EU-Umweltausschuss stehend Beifall für die Greta-Rede. Einige hatten Tränen in den Augen.
Das war vor der Coronakrise. Nach einem halben Jahr und mitten in der Coronazeit sind die Tränen getrocknet. Die EU-Wasserstoffstrategie mit buntem Wasserstoff bedeutet Kapitulation 2.0.
Zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzpfades lautet die Formel:
100 % CO2-Strategie oder gar nichts.
Das gilt besonders für die Bundesregierung. Wer wie Altmaier mit Windkraftgegnern im Ministerium Kaffee trinkt, ein Kohleausstiegsgesetz verabschiedet, in dem neue Kohlekraftwerke in Betrieb gehen und ein Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) ohne brauchbare Integration von erneuerbaren Energien vorlegt, braucht sich nicht über negative Zubauraten von Solarenergie und Windkraft zu wundern.
Schon gar nicht, wenn die Pariser Klimaschutzvorgaben meilenweit verfehlt werden. Diese Bundesregierung erlaubt sich immer noch, keine Klimaschutzrettungsstrategie zu erarbeiten und vorzulegen.

Dringender Handlungsbedarf

EU und Bundesregierung haben den Schuss immer noch nicht gehört.
Gigantische Gletscherschmelze, Hitzerekorde, Extremstürme, flächendeckendes Waldsterben durch Borkenkäfer/Verdurstung der Wälder oder ständig steigende Meeresspiegel zeugen von der bedrohlichen Erderwärmung.
Die CO2-Werte sinken trotz Corona nicht unter das notwendige Reduktionslevel. Wer trotzdem die unzureichende CO2-Steuerbepreisung und besonders bunten Wasserstoff als Klimaschutz bezeichnet, gerät ganz schnell in die rechte Ecke der Klimaschutzleugner.
Angesichts der lebensgefährlichen Bedrohung gerade der nächsten Generationen sind solche Aussagen nur als Politikverweigerung zu bewerten.
Die SPD sollte sich überlegen, ob sie die Ideen vom leider zu früh verstorbenen Klimaschutzvordenker und Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer weiter in den untersten Schubladen in der Parteizentrale verstauben lassen will und keine Konsequenzen aus dem Trauerspiel der GroKo zieht.
Mindestens die zuständigen Bundesminister müssen wegen beratungsresistentem Totalversagen zurücktreten. Für alle Sonntagsredner/innen und Anhänger/innen schmutziger Klimatechnologien hier noch einmal die Klimarettungsformel:
Wasserstoff ist zu 100 % grün. Punkt. Denn es kann nur einen geben.

[1] Peinlicher Auftritt von Minister Altmaier im EU-Parlament
[2] Wissenschaftliche Fakten von Scientists For Future
[3] Greta Thunberg im EU-Umweltausschuss


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Juergen Eiselt
Über Juergen Eiselt 5 Artikel
- Klimaktivist von Anfang an - erste Demo gegen das Kohlekraftwerk Buschhaus Anfang der 1980er Jahre - Projektmanager für erneuerbare Energien mit kompletter Energieberatungsausbildung - Photovoltaikplanungen und Vertrieb und Energieberatungen vor Ort, überwiegend Privathaushalte - Energiefachbuchautor / Publizist mit Gastbeiträge, Artikel, Blogbeiträge - Vorträge und Präsentationen rund um Klimaschutz und erneuerbare Energien Unterstützung von: - Scientists For Future - The Climate Reality Project (internationale Klimaschutzorganisation von Al Gore) - Fridays For Future (u.a. mit Vorträge) - bundesweit aktive Umwelt- und Klimaschutzverbände