Macht die Schulen zu und macht neue auf – Teachers4Future

Macht die Schulen zu und macht neue auf - Foto von Tran Mau Tri Tam auf Unsplash

Macht die Schulen zu! – titelt der Spiegel

Und Armin Himmelraht, der Gast-Kommentator des Spiegelartikels erklärt auch warum. Auch in Schulen finden Menschenansammlungen statt. Und damit ist auch hier eine Gefahr und er plädiert für Coronaferien und zwar flächendeckend. Schüler könnte das freuen. Und tatsächlich sind auch die Schulen und Kindergärten geschlossen. Die Regierung macht reichlich Geld für die Wirtschaft locker, denn auch hier werden Menschen weniger arbeiten, weil Lieferketten zusammengebrochen sind, obwohl China bereits den Versuch’macht die Produktion wieder hochzufahren. Himmelraht plädiert weiter für digitalen Unterricht. Aber reicht das denn? Gibt es denn die Inhalte die Schüler auf eine veränderte Welt vorbereiten?

Nun – mich nervt die Panik um den Virus. Aber er ist da und wir müssen damit umgehen. Panik bringt nichts und das, was man machen kann, ist ja bekannt.  Schnäuzen in den Ärmel, auf’s Händegeben verzichten, das ist nicht unhöflich, öfters Hände waschen, Menschenansammlungen möglichst meiden. Öffentliche Veranstaltungen werden immer mehr abgesagt, und wir werden der Dinge harren, die da kommen.  

Entschleunigen… davon sprach gestern das Bundes-Gesundheitsamt und inzwischen auch die Kanzlerin. Entschleunigen, das soll heißen die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Das ist das Mittel der Wahl und soweit auch in Ordnung. Nur wie lange wollen wir die Schulen denn nun geschlossen halten? Inzwischen werden jede Menge Großveranstaltungen und auch kleinere abgesagt und/oder verboten. Offiziell hat die Weltgesundheitsorganisation weltweit die Pandemie ausgerufen. In Italien werden alle Geschäfte außer Supermärkten und Apotheken geschlossen. Und entschleunigen tut sich die Wirtschaft ja auch gerade.

Auch einige Menschen entschleunigen sich und kommen zur Ruhe. Man kauft bewusst ein und beschränkt sich auf das Notwendige.  Da wo es geht erledigt man seine Arbeit im Homeoffice, auch wenn man eigentlich dafür noch kein kleines Home-Büro hat. Aber man spart sich den Weg ins Büro und auch das trägt dazu bei, dass etwas anderes bewirkt wird, und zwar das gleiche wie in China: Dort wo die Räder stillstehen lichtet sich der Smog und dort wird auch viel weniger CO2 ausgestoßen. 

Die Tagesthemen griffen gestern für einige Minuten das Thema auf welche Schwierigkeiten Journalisten haben über die aktuelle Situation zu berichten und nicht zu einer weiteren Verunsicherung oder gar Panik beizutragen. Und auch ich weiß, Panik bringt uns nicht weiter. Besonnenheit ist angesagt. Aber durch den Virus ermöglichen sich nun auch ganz andere Denkansätze. Es muss ja irgendwie weitergehen für die Menschen. Nur muss es ausgerechnet so weitergehen zum Beispiel mit dem Wachstum ohne Grenzen? Also verstehen sie mich nicht falsch, ich beziehe das jetzt auf ein Wirtschaftswachstum, das anscheinend keine Grenzen kennt und auf ein Geldwachstum, dass an Absurdität kaum noch zu toppen ist.

Überraschend wenn man dann aber hört, dass wir ein neues Müllkonzept erhalten werden. Die EU plant ein neues Konzept zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen des Klimakonzeptes der EU-Kommission. Müllkonzept ist in diesem Zusammenhang sogar das falsche Wort, das man in dem Tagesschaubericht gewählt hat. In Wahrheit geht es um eine radikale Müllvermeidung, und zwar bei technischen Geräten, die sehr oft bereits als Wegwerfartikel mit einprogrammiertem Verfallsdatum verkauft werden. Die Verbraucher sollen ein Recht auf Reparatur erhalten. Und das wäre tatsächlich ein Meilenstein, denn hier geht es um Ressourcenschonung und Einschränkung durch weniger Müllproduktion ohne Verlust an Lebensqualität. Das wird den Anhängern des BIP Bruttosozialproduktes und den Vertretern der neoliberalen Marktwirtschaft nicht passen, passt aber zu einer Gesellschaft, die lernt sich zu entschleunigen.

Übrigens schließt Dänemark aktuell alle Schulen und Kitas wegen des Virus. Heute ist man sich in Deutschland noch unsicher, ob diese Maßnahme richtig wäre, morgen wird das dann wohl beschlossen sein. Und so wie es ausschaut, könnte das der Zustand sein, den wir über Wochen erleben werden. Aber was wird dann aus der Schulpflicht, die ja eine Beschulungspflicht ist? Armin Himmelraht hatte im o.a. Artikel bereits vorgeschlagen, dann endlich auf digitales Lernen umzusteigen – lernen von zu Hause über das Internet. Er schreibt:

„Digitale Kreativität ist gefragt

Die flächendeckende Schließung müsste und sollte allerdings nicht zu einer flächendeckenden Pause werden. Klar, die Aussicht auf Entschleunigung ist verlockend. Aber vielleicht lassen sich Coronaferien ja auch kreativ nutzen: indem Lehrkräfte, Eltern und Schüler gemeinsam neue Formen des Lernens ausprobieren. Mit Lernplattformen und Videokonferenzen, Chats und online gemeinsam bearbeiteten Dokumenten“. 

Und genau das möchte ich jetzt mal auf den Punkt bringen. Was soll denn gelernt werden? Ok – sicherlich wird es sich auch um normalen Schulstoff handeln. Gelernt werden soll aber gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern der Umgang mit digitalen Lehrformen. Für viele Lehrer und Eltern ist das möglicherweise etwas ganz neues. Dafür braucht gerade die überalterte Lehrerschaft Unterricht. Na- das kann ja spannend werden… Aber ich denke, da können einige Schüler eine prima Hilfe sein.

Und schon haben wir eine völlig neue Situation – Schüler coachen Lehrer und Eltern – prima kann ich da nur sagen. Lehrer haben, so meine Einschätzung, einen sehr hohen Nachholbedarf und es soll tatsächlich immer noch Lehrer geben, die das Internet noch nie, oder sehr selten „betreten haben“. Zusätzlich gibt es einen weiteren Missstand, den wir bereits in zwei Artikeln angesprochen haben: „Die Zukunft der Schule ist die Zukunft der Welt“ mit einem äußerst sehenswerten Vortrag von Margret Rasfeld – bitte unbedingt ansehen. Und „Schule im Zeitalter des Klimawandels – Versagen auf ganzer Linie?

Genau hier nun sind wir dann beim eigentlichen Thema angekommen. Schule soll Kinder und Jugendliche auf ihr Leben vorbereiten. Derzeit überdeckt die Diskussion um den Corona-Virus aber alles andere. Wenn Schule, wie aus den genannten Artikel hervorgeht, der Aufgabe nicht nachkommen kann, junge Menschen in wichtigen Punkten zu bilden, weil das noch gar nicht zu den Lerninhalten und zur Curricula gehört, dann haben wir ein massives Problem. Die Aufgaben, die durch den Klimawandel des Anthropozän zu bewältigen sind, nämlich sich um den Klimaschutz zu kümmern werden nicht erfüllt werden können.

Diese Aufgaben werden aber seit langem im BNE-Plan (Bildung für nachhaltige Entwicklung – Unesco-Weltaktionsprogramm) der UN beschrieben. Aber eine Umsetzung in Schulen fand bisher nur in ganz wenigen Ausnahme Schulen statt.

Aus diesem Grund finden wir auch die drei Hauptforderungen bei den Teachers for Future:

A) Unterstützung der Forderungen von Fridays for Future bezüglich des Pariser Klimaabkommens

B) Verpflichtende sofortige Verankerung der Klimakatastrophe in Bildungsvorgaben, Arbeitsplänen sowie Lehrmaterialien

C) Verpflichtende flächendeckende Aus- und Fortbildung aller schulischen Mitarbeiter*innen bezogen auf aktuellen Stand der Klimakatastrophe

Und damit kämen wir tatsächlich zu neuen Lehrinhalten zum Klimaschutz. So wie es ausschaut konnten wir Politik in den letzten Jahren wirklich nicht trauen, denn auch die Sientists4Future mahnen an, dass Politik nicht Energiewende vorangetrieben, sonder eine Verzögerungstaktik betrieben hat. Leider haben die Medien das bisher nicht aufgegriffen, weil ihnen auch das Wissen dazu fehlt. Diese Vorgänge müssen lückenlos aufgedeckt werden, wenn die Gesellschaft wirklich darum bemüht sein kann den notwendigen Klimaschutz umzusetzen und zu unterstützen. Energiewende muss dringend beschleunigt werden.

Dafür braucht es nicht das Wissen der Experten in Expertenkreisen und Expertendiskussionen in abgeschirmten Hinterzimmern, sondern das Wissen muss in der breiten Öffentlichkeit ankommen. Denn die Energiewende kann nur schnell und effektiv, also auch kostengünstig mit dezentraler Energie vollzogen werden. Die Energiewende ist der Haupthandlungsstrang beim Klimaschutz. Die Scientists4Future (unabhängige Wissenschaftler für Zukunft) haben mit einem Anteil von 80% bei allen Treibhausgasen, den Bereich Energie als wichtigsten Handlungssektor ausgemacht, der dringend Vorrang vor allen anderen Bereichen hat. Damit sind zentrale Ansätze bei der Umsetzung der Energiewende aber (mit sehr wenigen Ausnahmen) falsch. Stülpt man diese zentralen Ansätze der dezentralen Energiewende über, führen zu teuren Verlangsamungen und sichert nicht ab, dass das getan wird, was getan werden muss. Sich darauf zu verlassen, so wie es bestimmte Kreise vorhaben, Energie aus dem Ausland zu organisieren und zu holen, führt unweigerlich zu unnötiger Verteuerung aber auch zu einer Verlangsamung, die für unsere Kinder schlimmste Folgen haben wird.
Deshalb müssen unabhängige Wissenschaftler gehört werden, aus den Reihen der Scientists4Future. Diese müssen die Inhalte für die Umsetzung liefern.

Sonnige Grüße
Klaus Müller

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Über Klaus Müller 83 Artikel
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