Behauptungen zur Windkraft – Bodenwild

Reh auf Wiese

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über alle Behauptungen zur Windenergie.

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Behauptung

Wildtiere meiden den Bereich in der Nähe von Windrädern; Dadurch wird ihr Lebensraum über den eigentlichen Flächenverlust hinaus eingeschränkt. Außerdem führen die Windräder zu Stressreaktionen, wodurch die Populationen der Tiere zurückgehen.

Diskussion

Reduktion der Lebenräume

In einer siebenjährigen Langzeit-Untersuchung zum Thema „Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vögel“ wurde ein Ergebnispapier vorgestellt. (1) Das Untersuchungsgebiet lag in Ostfriesland im Landkreis Aurich und umfasst zwei Windparks und ein angrenzendes Referenzgebiet ohne Windkraftanlagen. Einer der beiden Windparks wurde während der Projektlaufzeit gebaut und in Betrieb genommen, so dass sowohl Vorher-Nachher-Vergleiche möglich als auch der Einfluss des Abstandes messbar waren.

Die Brutbestandsentwicklungen der meisten untersuchten Vogelarten waren im Vorher-Nachher-Vergleich nicht in einen Zusammenhang mit dem Bau der Windkraftanlage zu bringen. Bei der entfernungsbezogenen Auswertung wurden die Brutdichten bzw. die Individuendichten der Gastvögel in den jeweiligen Entfernungszonen (mit einer Breite von je 100 m) mit Erwartungswerten aus dem Referenzgebiet verglichen. Somit konnten für die untersuchten Brutvogelarten folgende Ergebnisse ermittelt werden:

  • Kiebitz und Wiesenpieper mieden den Nahbereich bis 100 m um die WKA.
  • Für Uferschnepfe, Großen Brachvogel und Feldlerche deutete sich diese Meidung ebenfalls an, ließ sich statistisch aber nicht nachweisen.

Mit Hilfe der linearen Regression wurde der Einfluss der Anlagen und des Flächenanteils an Gehölzen auf Brut- und Gastvögel miteinander verglichen. Für einzelne Brut- und Gastvogelarten konnte nachgewiesen werden, dass im untersuchten Umkreis von 150 m umso weniger Vögel anzutreffen waren, je geringer der Gehölzanteil war. Dagegen wurde bei den untersuchten Brut- und Gastvögeln kein signifikanter Zusammenhang mit der Entfernung zur nächsten Anlage festgestellt.

Der Einfluss der landwirtschaftlichen Nutzung wurde beim Kiebitz besonders deutlich. Diese Art bildete im Laufe der Untersuchungsjahre immer stärkere Konzentrationen auf Maisäckern – unabhängig von deren Lage zu den Windenergieanlagen. Dagegen bevorzugten Uferschnepfe und Großer Brachvogel Grünland, während beispielsweise für Feldlerche und Wiesenpieper keine starke Bevorzugung einzelner Nutzungstypen festgestellt wurde, dafür aber eine deutliche Meidung von Mais-, Getreide- und Rapsflächen.

Insgesamt zeigte sich durch die Untersuchungen, dass Gastvögel empfindlicher gegenüber Windkraftanlagen reagieren als Brutvögel. Gastvogelarten meiden ab und zu den Bereich um die Anlagen bis zu einer Entfernung von 400 m, Brutvogelarten meiden nur den direkten Nahbereich der Anlagen, werden aber von landwirtschaftlicher Nutzung und fehlenden Gehölzen deutlich beeinträchtigt.

Verschiedene andere Untersuchungen konnten ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen der Errichtung einer Windenergieanlage und dem Brutverhalten von Vögeln in einer Entfernung von mehr als 100m von der Anlage nachweisen. (2)

Stress und Populationsrückgang

Eine dreijährige Studie des Instituts für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover belegt, dass keine negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vorkommen und Verhalten von Tieren wie Rehwild, Rotfuchs, Feldhase oder Rebhuhn festzustellen waren. Bei Wildtieren tritt meist nach kürzester Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Auch das Gros der Jäger sieht in den Windrädern keine gravierende Störquelle für jagdbares Niederwild. So ist es auch kein Wunder, dass in beinahe jedem Windpark ein Hochsitz unter einem Windrad steht.

Genauso wie Wildtiere gewöhnen sich Kühe, Schafe und Pferde sehr schnell an Windräder. Mittlerweile gibt es viele Erfahrungen von Weiden, die direkt unter Windrädern liegen. Die Tiere lernen sogar die Vorteile der Windräder für sich zu nutzen. So kann man an heißen Tagen immer wieder beobachten, wie die Weidetiere den Schatten der Windräder als Sonnenschutz in Anspruch nehmen. (3)

Fazit

Tiere lernen schnell, dass von den Windrädern keine Gefahr ausgeht und ignorieren sie. 

Quellen

  1. H. Steinborn, M. Reichenbach, H. Timmermann. Windkraft – Vögel – Lebensräume. [Online] : Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung GmbH, 2011. https://www.arsu.de/themenfelder/windenergie/publikationen/windkraft-voegel-lebensraeume.
  2. Ratzbor, Günter. Grundlagenarbeit für eine Informationskampagne “Umwelt- und naturverträgliche Windenergienutzung in Deutschland (onshore)”, Analyseteil. Lehrte : Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände (DNR) e.V., 30.3.2012. https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/documents/10184/61110/Windkraft-Grundlagenanalyse-2012.pdf/656de075-a3d2-4387-aa30-7ec481c46c5c.
  3. Menzel, Claudia. Raumnutzung ausgewählter heimischer Niederwildarten im Bereich von Windkraftanlagen. Hannover : Stiftung tierärztliche Hochschule Hannover, 2001. https://www.tiho-hannover.de/de/kliniken-institute/institute/institut-fuer-terrestrische-und-aquatische-wildtierforschung/forschung/projekte-terrestrisch/abgeschlossene-projekte-terrestrisch/windkraftanlagen/.