Behauptungen zur Windkraft – Abholzung

Luftbild Tannenwald

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über alle Behauptungen zur Windenergie.

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Behauptung

Für jedes Windrad werden zwischen 1 und 2 Fußballfeldern, d.h. 1 ha gesunder und teilweise uralter Wald gerodet und zerstört.

Diskussion

Flächenbedarf einer Windenergieanlage

Der Flächenbedarf einer Windkraftanlage teilt sich in folgende Teilflächen auf (siehe Abbildung 1):

  • Die Fläche, die für den Aufbau benötigt wird beträgt in der Regel 1 Hektar. Im günstigsten Fall ist hierfür keine Rodung von Bäumen erforderlich – wenn z.B. vorhandene Windbruch-flächen und vorhandene Waldwege genutzt werden können.
  • Von dieser Fläche werden ca. 0,6 Hektar wieder aufgeforstet, 0,4 Hektar bleiben dauerhaft frei.
  • Von dieser Freifläche werden ca. 0,15 Hektar als Standfläche für einen Kran geschottert.
  • Innerhalb der Freifläche befindet sich auch das Fundament, welches ca. 0,035 Hektar groß ist. Es ist entweder ebenfalls geschottert, oder mit Gras bewachsen.
  • Der eigentliche Sockel der Anlage hat eine Größe von ca. 0,010 Hektar.
  • Hinzu kommen Zufahrtswege, diese sollten eine Breite von circa 5 Metern haben; in der Regel werden dafür bereits vorhandene Wege genutzt beziehungsweise ausgebaut, die bereits für Transporte im Rahmen der Waldbewirtschaftung ausgelegt sind. Diese können außer für Transporte zur Baustelle auch für die Verlegung der Stromleitung und im günstigen Fall auch für den benötigten Platz zum Bau der Windkraftanlage genutzt werden.
FlächenbedarfWEA
Abbildung 1: durchschnittlicher Flächenbedarf einer Windenergieanlage
Windrad Stillfüssel
Abbildung 2: Windpark Stillfüssel: Die Fläche für den Aufbau ist noch nicht wieder bewachsen (Inbetriebnahme Q1/2018) und beträgt ca. 0,9 ha (1) (2)
Windpark Stillfüssel
Abbildung 3: Windpark Stillfüssel: Geschotterte Fläche (inkl. Fundament) ist ca. 0,15 ha groß (1)
Hartenfelser Kopf
Abbildung 4: Windpark Hartenfelder Kopf: Die Aufbau- und die Freifläche sind vollständig bewachsen, nur die Schotterfläche ist noch frei (Inbetriebnahme 2006) (3) (4)

Um die gegenseitige Beeinflussung zwischen verschiedenen Windenergieanlagen – insbesondere im Hinblick auf sogenannte „Verschattungseffekte“ beziehungsweise „Windklau“ –  zu verkleinern, müssen Abstände gewahrt werden, die von den Anlagengrößen, den vorherrschenden Windgeschwindigkeiten sowie wirtschaftlichen Erwägungen abhängen. Nach einer Faustregel sollten die Abstände in Hauptwindrichtung mindestens den fünffachen Rotordurchmesser betragen. Diese Flächen können jedoch auch von anderen Nutzungen (zum Beispiel der Land- und Forstwirtschaft) in Anspruch genommen werden. (5) (6) (7)

Außerdem sind für den Eingriff der Flächennutzung bei der Zulassung von Windenergieanlagen im Außenbereich Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen beispielsweise in Form von Biotopen oder Aufforstungsgebieten zu leisten. Grundlage hierfür ist die den §§ 14 und 15 verankerte Eingriffsregelung, die Verursacher eines Eingriffs verpflichtet, “vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen, sowie unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen” (§ 15 Abs. 2 BNatSchG) (8)

Es wird beim Bau in aller Regel darauf geachtet, die Eingriffe in die Natur möglichst gering zu halten (siehe z.B. Abbildung 5), was man von Braunkohletagebau oder Ölförderung ganz und gar nicht behaupten kann.

Greiner Eck Naturschutz
Abbildung 5: Naturschutzmaßnahmen bei Errichtung des Windparks Greiner Eck (Hinweistafel am Standort [Ausschnitt])
Die Behauptungen, dass für Windkraftanlagen bestehende gesunde Waldabschnitte und/oder Parzellen abgeholzt, und Schneisen für den Wirtschaftsweg ausschließlich für den Bau geschlagen werden, ist falsch. Im Fall des Beispiels Reinhardswald (WKA Standpunkt Nr. 17) ist folgende Aussage richtig: “Die Herstellung der Zuwegung und Aufstellfläche erfolgt unter Nutzung der Schneise sowie der bereits geschädigten Fichtenkultur. Der Standort für das Fundament liegt im schwachen bis mittleren Fichten-Lärchenholz.” (9)

Es ist also richtig, dass 1 – 2 Fußballfelder Platz benötigt werden, um eine Anlage zu errichten. Allerdings wird mehr als die Hälfte innerhalb weniger Jahre wieder mit Bäumen bewachsen. Es werden keine Anlagen in alten Naturwäldern errichtet, sondern nur dort, wo ohnehin Nutzholz geschlagen werden darf und der Einschlag muss zusätzlich ausgeglichen werden.

Flächenbedarf insgesamt

Nach einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) ist für die Windkraft deutschlandweit eine Fläche von 3.131 Quadratkilometern ausgewiesen, dies entspricht etwa 0,9 Prozent der Fläche Deutschlands. 1.325 Quadratkilometer (42 %) dieser Flächen sind noch nicht bebaut. Von den ausgewiesenen Flächen befinden sich 32% (1.003 Quadratkilometer) in Waldflächen, das sind 2,75% der Waldfläche Deutschlands. (10)

Rechnet man mit 4 MW-Anlagen nach heutigem Stand der Technik, so werden für die vollständige Klimaneutralität Deutschlands zwischen 50.000 und 65.750 Anlagen benötigt. (11) (12) Wenn für jede Anlage 0,8 Hektar dauerhaft freigehalten werden (0,4 Hektar um die Anlage und weitere 0,4 Hektar Wege), so werden durch alle Anlagen zusammen 526 Quadratkilometer freigehalten. 32% davon im Wald sind 168 Quadratkilometer Verlust von Waldfläche. Das sind 0,15% des Waldes. Gleichzeitig gehen durch das Waldsterben vor allem durch Borkenkäferbefall und Dürre, beides hervorgerufen durch den Klimawandel, jährlich(!) 3000 Quadratkilometer Wald verloren. (13) Vor diesem Hintergrund den Wald durch das Verhindern von Windenergieanlagen schützen zu wollen erreicht genau das Gegenteil.

Unter den erneuerbaren Energien verfügt die Windenergie insgesamt über einen vergleichsweise moderaten Flächenbedarf. Selbst wenn die Abstandsflächen einbezogen werden, liegt beispielsweise die Bioenergie um das zehn- bis hundertfache über ihr. Vorteilhaft bei der Windenergienutzung ist ferner, dass im Gegensatz zur Photovoltaik-Freiflächenanlagen oder zum Biomasseanbau die Abstandsflächen für andere Zwecke genutzt werden können. Ohne Abstandsflächen (also die reine Betriebsfläche für Fundament, Kran und Zuwegung) schlägt für den gleichen Energieertrag ein geringerer Flächenbedarf zu Buche als bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen. (5) (6)

Vergleicht man den Bedarf ferner mit der Wald-, Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland, so fällt der Bedarf erst recht klein aus (Abbildung 6).

Flächenvergleich Windkraft Wald
Abbildung 6: Flächenbedarf der Windkraft in Deutschland im Vergleich

Fazit

Es ist korrekt, dass für den Bau einer Windenergieanlage ca. ein Hektar benötigt wird – davon werden aber mehr als die Hälfte wiederaufgeforstet, und dauerhaft versiegelt ist nur die Fundamentfläche von ca. 350 Quadratmeter. Verglichen mit dem jährlichen Waldverlust durch den Klimawandel oder dem Anbau von Energiepflanzen ist der Platzbedarf von Windenergieanlagen verschwindend gering.

Quellen

  1. Windpark Stillfüssel – WEA 1. Wald-Michelbach : Google Maps, 2020. https://www.google.com/maps/@49.5422036,8.8372672,310a,35y,270h/data=!3m1!1e3.
  2. ENTEGA AG. Windpark Stillfüssel. Darmstadt : ENTEGA AG, 2020. https://www.entega.ag/geschaeftsfelder/erzeugung/windenergie/windpark-stillfuessel/.
  3. Windpark Hartenfelser Kopf. Mündersbach : Google Maps, 2020. https://www.google.com/maps/@50.6088239,7.7582836,191m/data=!3m1!1e3.
  4. Wikipedia. Liste von Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz. 2020. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Windkraftanlagen_in_Rheinland-Pfalz.
  5. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Welchen Flächenbedarf haben Windenergieanlagen? [Online] : Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, 2020. https://um.baden-wuerttemberg.de/de/energie/erneuerbare-energien/windenergie/faq-windenergie/welchen-flaechenbedarf-haben-windenergieanlagen/.
  6. Wikipedia. Windkraftanlage – Flächenbedarf. 2020. https://de.wikipedia.org/wiki/Windkraftanlage#Fl%C3%A4chenbedarf.
  7. Pro Windkraft Niedernhausen. Flächenbedarf, Boden, Geologie. Niedernhausen : Pro Windkraft Niedernhausen, 2018. https://www.prowindkraft-niedernhausen.de/niedernhausen/fl%C3%A4chenbedarf/.
  8. Bundesamt für Justiz. Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege §15. [Online] : Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, 2020. https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/__15.html.
  9. Windpark Reinhardswald. Interaktive Karte mit Beschreibungen der WEA Standorte und Drohnenaufnahmen. Grebenstein : Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG, 2020. https://www.wp-reinhardswald.de/standorte/.
  10. Marian Bons, Carsten Pape. Analyse der kurz- und mittelfristigen Verfügbarkeit von Flächen für die Windenergienutzung an Land. Berlin, Kassel : Umweltbundesamt, 2019. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/climate_change_38_2019_flaechenanalyse_windenergie_an_land.pdf.
  11. Quaschning, Volker. Sektorkopplung durch die Energiewende. Berlin : Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, 20.6.2016. https://www.volker-quaschning.de/publis/studien/sektorkopplung/index.php.
  12. Philip Sterchele, Julian Brandes, Judith Heilig et. alii. Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem. Freiburg : Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, 13.2.2020. https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Fraunhofer-ISE-Studie-Wege-zu-einem-klimaneutralen-Energiesystem.pdf.
  13. Schmidt, Nina. Dürre, Stürme und Borkenkäfer: Klimawandel bedroht Wald. [Online] : Das Erste, 17.08.2019. https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/waldsterben-100.html.