Behauptungen zur Windkraft – Eiswurf

Wald im Winter

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über alle Behauptungen zur Windenergie.

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Behauptung

Von Rotorblättern können im Winter Eiszapfen abgeschleudert werden und Spaziergänger verletzen.

Diskussion

In einigen Gegenden in Deutschland, insbesondere in den Mittelgebirgen und Alpen kann es bei ungünstiger Wetterlage (hohe Luftfeuchtigkeit, Nebel oder Regen in Verbindung mit Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt) zur Eisbildung auf den Rotorblättern kommen. Dies ist aber in Deutschland relativ selten (Abbildung 1). 

Karte von Europe mit verschiedenen Färbungen je nach Häufigkeit von Eis und Schnee
Abbildung 1: Die “Eis-Karte” von Europa zeigt Bereiche gleicher Häufigkeit von Vereisungen (3)

Außer bei sehr kalten Temperaturen bilden sich nennenswerte Mengen Eis nur bei Stillstand der Anlage, da sich bildendes Eis bei drehenden Flügeln sofort wieder abgeworfen wird, außerdem wird die Unwucht bei Eisbesatz von Sensoren erkannt und die Anlage abgeschaltet. Das Eis kann daher entweder von der stillstehenden Anlage herunterfallen, wie dies auch bei anderen (hohen) Bauwerken wie Sendemasten oder Hochspannungsleitungen passiert, oder beim Wiederanlauf der Anlage. Dann können Eisstücke auch seitwärts weggeschleudert werden. Es wurde berechnet und durch Beobachtungen von Betreibern überprüft, dass diese maximal 180m weit fliegen (Abbildung 2).

Eiswurfweitenberechnung
Abbildung 2: Ergebnis einer Eiswurfweitenberechnung mit dem im Rahmen des EU-Projektes „Wind Energy Production in Cold Climates“ entwickelten Berechnungsprogrammes (3)

Bisher ist in Deutschland kein einziger Fall bekannt, in dem eine Person oder ein Fahrzeug durch Eiswurf geschädigt worden wäre. Schäden an Gebäuden sind ausgeschlossen, da die Anlagen einen größeren Abstand von der nächsten Bebauung haben, als die maximale Flugweite beträgt. (1) Die Betreiber sind darüber hinaus verpflichtet, in entsprechendem Abstand von der Anlage Warnschilder aufzustellen. Manche Anlagen haben auch beheizbare Flügel, um das Eis möglichst schnell wieder abzutauen oder haben eine spezielle Oberflächenstruktur, um Eisansatz zu verhindern. (2)

Fazit

Eiswurf ist in Deutschland extrem selten, es wurde noch nie eine Person geschädigt und das ist aufgrund der meterologischen und physikalischen Bedingungen auch für die Zukunft nicht zu erwarten.

Quellen

  1. Wikipedia. Eiswurf. 2020. https://de.wikipedia.org/wiki/Eiswurf.
  2. windfakten. Eisfall. [Online] : windfakten, 2020. https://windfakten.at/?xmlval_ID_KEY[0]=1263.
  3. Ratzbor, Günter. Grundlagenarbeit für eine Informationskampagne “Umwelt- und naturverträgliche Windenergienutzung in Deutschland (onshore)”, Analyseteil. Lehrte : Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände (DNR) e.V., 30.3.2012. https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/documents/10184/61110/Windkraft-Grundlagenanalyse-2012.pdf/656de075-a3d2-4387-aa30-7ec481c46c5c.

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