Behauptungen zur Windkraft – Strom sparen

Glühbirne auf Wiese

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über alle Behauptungen zur Windenergie.

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Behauptung

Wenn wir weniger Strom verbrauchen würden, wären die ganzen Windräder nicht nötig.

Diskussion

Grundsätzlich ist es richtig, dass die Reduktion des Energieverbrauchs dazu beiträgt, CO2-neutral zu werden. Es lohnt aber, sich die Dimensionen genauer anzuschauen. Wichtig ist zu verstehen, dass Strom nur einen Teil der Energie darstellt, die in Deutschland benötigt wird. Die beiden anderen Teile sind Wärme und Verkehr. Alle drei Teile zusammen nennt man Endenergieverbrauch. Für eine CO2-Neutralität müssen alle Teile auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Abbildung 1 zeigt, welche der vier Sektoren Verkehr, Gewerbe, Industrie und Haushalte wie viel von welchem Energieträger verbraucht.

Primärenergie nach Sektoren und Energieträgern
Abbildung 1: Energieverbrauch 2018 nach Sektoren und Energieträgern (1)

2018 betrug der Anteil der Haushalte am Endenergieverbrauch ziemlich genau ein Viertel (25,46%). Strom wiederum hatte an diesem Verbrauch nur einen Anteil von 20,3%. (1) Dies bedeutet, dass der Einfluss der Privathaushalte auf den Strombedarf Deutschlands minimal ist (5,17%).

EEG-Paradoxon (Teil 3)

Die Industrie wiederum hat einen fast doppelt so hohen Strombedarf wie die Haushalte. Interessanterweise stemmen aber die Privathaushalte über die EEG-Umlage den Löwenanteil der Finanzierung der erneuerbaren Energien, da viele insbesondere energieintensive Industrien (darunter so „systemrelevante“ wie die Zugspitzbahn) von der Umlage befreit sind, und zwar fast in der Höhe des Verbrauchs der Privathaushalte (105 TWh von 227  TWh), und außerdem ihren Strom günstig direkt von der Börse beziehen, ohne Umweg über die Energieversorger. (2) Somit sind die aktuellen Regelungen zur EEG-Umlage kontraproduktiv –  sie fördern geradezu einen hohen Stromverbrauch und sie sorgen dafür, dass Strom für die privaten Haushalte immer teurer wird.

EEG-Befreiung
Abbildung 2: Entwicklung der von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen (3)

Wenn Sie mehr über das EEG-Paradoxon erfahren möchten, lesen Sie Teil 1 und Teil 2.

Sektorenkopplung

Offensichtlich stehen wir noch ganz am Anfang der Umstellung auf erneuerbare Energien. Aber es gibt Studien, die den Weg dorthin aufzeigen (4) (5). Energie zu sparen ist dabei in der Tat ein wichtiger Baustein, z.B. wird der Verkehrssektor sehr viel energie-effizienter, wenn er von Öl auf Strom umgestellt wird – beispielsweise benötigt ein Batterie-elektrisches Auto nur 30% des Primärenergiebedarfs eines Diesel-Fahrzeugs (6). Außerdem muss der Energiebedarf im Bereich der Wärmeversorgung durch Gebäude-Sanierungen um 30% bis 50% reduziert werden.

Dies allein wird aber nicht ausreichen, um ohne zusätzliche Windräder auszukommen, sondern es muss trotzdem die installierte Leistung von Windkraft an Land von aktuell 53,9 GW (7) auf 200 – 263 GW erhöht werden. Dies erfordert nach aktuellem Stand der Technik (4 MW Nennleistung pro Anlage) zwischen 50.000 und 65.750 Anlagen. Aktuell installiert sind 29.456 Anlagen (7). Neben neuen Anlagen müssen dabei auch kleinere durch größere und leistungsstärkere ersetzt werden (sog. Repowering).

Fazit

Strom sparen ist in der Tat ein wichtiger Baustein der Energiewende. Durch die Elektrifizierung wird der Primäreenergiebedarf verringert, auch sogenannte graue Energie, die für die Bereitstellung der fossilen Brennstoffe nötig ist, fällt weg. Trotzdem wird dies nicht ausreichen, um auf den Ausbau der Windkraft zu verzichten. Als Privatperson hat man ohnehin nur sehr geringen Einfluß auf den Primärenergieverbrauch, durch politische Entscheidungen der CDU wurde Energieverschwendung seitens der Wirtschaft in den vergangenen Jahren gefördert.

Quellen

  1. UBA. Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren. [Online] : Umweltbundesamt, 2020. https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren.
  2. Florian Zerzawy, Henning Herbst, Fabian Liss, Rouven Stubbe. UMLENKEN! Subventionen abbauen, Strukturwandel gestalten, Klima schützen. Friedrich Ebert Stiftung. [Online] : WISO Diskurs, 2020. https://foes.de/publikationen/2020/2020-07_FOES_Umlenken_FES.pdf.
  3. IWR. Erneuerbare Energien werden subventioniert – Staat zahlt keinen Cent. [Online] : IWR Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien, 2020. https://www.iwr-institut.de/de/component/content/article?id=148%3Aerneuerbare-energien-werden-subventioniert-staat-zahl-keinen-cent.
  4. Quaschning, Volker. Sektor­kopplung durch die Energie­wende. Berlin : Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, 20.6.2016. https://www.volker-quaschning.de/publis/studien/sektorkopplung/index.php.
  5. Philip Sterchele, Julian Brandes, Judith Heilig et. alii. Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem. Freiburg : Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, 13.2.2020. https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Fraunhofer-ISE-Studie-Wege-zu-einem-klimaneutralen-Energiesystem.pdf.
  6. Fröhlich, Gregor. Well to Wheel – Verbrenner versus e-Mobil. [Online] : eemag – das Magazin der europäischen Energiewende, 27.12.2019. https://energiewende.eu/well-to-wheel/.
  7. BWE. Deutschland in Zahlen. Berlin : BWE Bundesverband Windenergie, 31.12.2019. https://www.wind-energie.de/themen/zahlen-und-fakten/deutschland/.

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